Milchmärkte 07/2026: Nicht vergnügungssteuerpflichtig!

Schön ist das nicht: Der deutsche Milchmarkt bleibt von einem hohen Milchangebot geprägt. Sinkende Milchpreise und eine verhaltene Nachfrage setzen viele Milcherzeuger unter Druck. Während sich die Rohstoffmärkte weitgehend stabil zeigen, rechnen Marktbeobachter kurzfristig nur mit einer begrenzten Erholung der Erzeugerpreise.

Speiseeis hilft nicht bei 6%

Die Wahrheit ist bitter, vermutlich aber wahr: die deutschen Milchbauern melken weiterhin kräftig über dem Niveau des Vorjahres. Um bis zu 6% mehr soll das Plus betragen, und jeder Marktkundige weiß, dass so ein Plus an Ware die Kurse üblicherweise nicht kalt lässt. Diese Mengen müssen erst einmal verarbeitet werden, angeblich soll es da teilweise Kapazitätsprobleme in den Molkereien geben. Zudem … na, und das ist ja zentral … muss die Ware auch ihren Käufer finden. Und da schaut es derzeit etwas mau aus. Man hatte ja gehofft, dass es über den sommerlichen Absatz von Speiseeis eine gewisse Erholung geben könnte, aber noch gibt es aus dieser Ecke keine entlastenden Nachrichten.

Damit mal fix zu den zentralen Verwertungen von Milch.

Butter zäh!

Butter läuft derzeit echt zäh. Vor gut einem Jahr mussten ja fast schon das Sparschwein schlachten, um sich das 250gr-Stück leisten zu können. Oberhalb eines Endverbraucherpreises von 2,00 Euro werde ich spontan dement und lasse die Plünderei an der Kasse klaglos über mich ergehen. Aktuell zahlt man beim Aldi 1,15 Euro für das Standardpäckchen. Da bleibt natürlich kaum noch etwas für den Milchbauern übrig. Der Export, so hört man, soll auch nicht gerade prickelnd laufen.

Magermilchpulver macht stark!

Magermilchpulver ist weiterhin gut gefragt. Verbraucher reiten momentan verstärkt auf der Proteinwelle: „Abspecken und Six Pack antrainieren“, Protein soll dabei helfen. Magermilchpulver ist auch international gefragt und wird sogar gut bezahlt. Wusstet Ihr, dass Deutschland einer der größten Exporteure von Magermilchpulver weltweit ist? Ich nicht!

Stabiler Käse!

Schnittkäse: Käse stabilisiert die gesamte Entwicklung. Die Nachfrage ist ordentlich, Käse wird halt überall gebraucht, was wäre eine Tiefkühlpizza ohne anständigen Käsebelag?

Betrieb einstellen?

Ich kenne einige Betriebe, die jetzt über einen Ausstieg aus der Produktion nachdenken. Einige haben beim Bau neuer Stallungen zu optimistisch in die Zukunft geblickt, jetzt muss man mit den Banken reden. Bei anderen fehlt der Hofnachfolger, da fragt man sich dann schon, ob man sich noch ein paar Jahre durch das Gemenge aus Arbeit und roten Zahlen auf dem Konto noch anziehen muss. Und andere „Kisten“ sind ganz einfach auch sprichwörtlich „tot“. Ich vermute aber nicht, dass auf diesem Wege bald wieder mit hohen Milchpreisen arbeiten kann.

Attraktiv im Export?

Denn das internationale Geschäft spielt für die Milchmärkte eine entscheidende Rolle. Da haben wir unsere Mitbewerber, die auf den Exportmärkten aktiv sind und uns Märkte streitig machen wollen: USA, Neuseeland, Australien … . Na klar wollen wir auch denen Märkte streitig machen, ich weiß aber nicht, ob das immer so klappt. Immerhin macht der schwächelnde US-Dollar die Angebote aus dem Euroraum attraktiver für die Kundschaft rund um den Erdball.

China bleibt spannend!

China … CHINA ist eine spannende Variable im Geschäft. Ein spannender und äußerst relevanter Kunde für den Weltmarkt. Geht es den Chinesen wirtschaftlich gut, so fragt er verstärkt qualitativ hochwertige Ware nach. Fehlt das Geld, so hält sich der chinesische Verbraucher zurück und greift auf heimische Erzeugnisse zurück. Derzeit hat die chinesische Politik mit einigen wirtschaftlichen Herausforderungen zu kämpfen. Immobilienkrise, Überproduktion … das sollte man den Markt intensiv beobachten.

Traumkurse …

Entlang der Märkte hofft bzw. glaubt man, dass sich die Situation weiterhin stabilisieren wird. Dabei wird davon ausgegangen, dass „der Chinese keinen Schnupfen bekommt“, denn dann hätten Europas Milchbauern ziemlich schnell eine wirtschaftliche Grippe plus Lungenentzündung. Von einer Rückkehr zu den Traumkursen von 2025 sollte man dieser Tage aber ausdrücklich nicht träumen. Aber schauen wir, was uns die Milchmärkte beim nächsten Mal zu bieten haben.

Auf bald,

Uwe

(cattle)

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Dr. Uwe Scheper, der Mann hinter cattle.de

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Ich betreibe cattle.de bereits seit 1999 und es ist damit das wahrscheinlich älteste Onlinemagazin speziell für Rinderhalter.

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