„Winds of Change“ im Ländlichen Raum …

Moin,

in Niedersachsen hat sich die Zahl der schweinehaltenden Betriebe in den vergangenen zehn Jahren halbiert. Dies sollte auch die Rinderhalter interessieren, denn letztlich betrifft diese Entwicklung nicht nur die Sauenhalter und Schweinemäster, sondern auch den gesamten Bereich der landwirtschaftlichen Tierhaltung. Und man kann das Rad noch weiter spannen, denn auch die gesamte Landwirtschaft gerät da zunehmend in eine Schieflage und damit letztlich auch der ländliche Raum als Ganzes. Konkret denke ich da heute an Veränderungen der Bevölkerungsstruktur, des Landschaftsbildes und letztlich auch die Versorgung mit Lebensmitteln als Bestandteil der kritischen Infrastruktur.

Bevölkerungsstruktur

Die Verringerung der Betriebe im Ländlichen Raum hat Veränderungen der Bevölkerungsstruktur zur Folge. Es wird weniger Landwirte in der Gemeinde geben. Das ist nicht zunächst einmal nicht schlimm, denn auch Lehrer, Handwerker und Leute aus der Verwaltung sind nette Menschen. „Was man so hört“ ist aber, dass Landwirte mit ihren festen Wurzeln in ihren Gemeinden größeren Wert auf das soziale Miteinander auf dörflicher Ebene haben. Die Leute kennen sich schon ewig, teils seit mehreren Generationen. Das sorgt für zahlreiche Berührungspunkte und Verflechtungen, in die „die Neuen“ zunächst einmal reinwachsen müssen.

Das kann dauern, es geht aber durchaus schneller, wenn sich sämtliche Beteiligten darüber im Klaren sind, dass es um ein Miteinander geht, von dem alle profitieren. Darüber müssen sich alle im Klaren sein. Ich hoffe, dass sämtliche Bürgermeister etc. in der Lage sind, hier ein gemeinschaftliches Miteinander zu fördern. Vielleicht gibt es da sogar noch Hilfe von oben. Nein, nicht von „da ganz oben“ im Himmel, sondern seitens der Kreise oder Länder. Denn die sollten … und die haben auch … ein Interesse daran, dass der Ländliche Raum lebt.

Gestern war ich auf einer Pressekonferenz des „Aktionsbündnis Ländlicher Raum“. Die fand hier oben in Schleswig-Holstein in Neu-Wittenbek statt und das war schon recht cool. Die Vertreter von sieben Verbänden informierten über eine Zusammenarbeit und ihre Sorgen über die weitere Entwicklung des Ländlichen Raums. Sicherlich stand dabei auch der Weiße Elefant namens AFD im Raum, der aber im Diskussionsverlauf entweißt wurde. Und auch die Grünen waren „dran“. Ich möchte mich hier nicht zu sehr auf das parteipolitische Terrain hinauswagen. Aber ich glaube, dass eine offene Zusammenarbeit miteinander in gegenseitigem Respekt dazu beitragen kann, Unzufriedenheiten zu mildern und echte neue Perspektiven zu entwickeln, die uns nach vorne bringen. Dazu gehören aber auch Verbesserungen in der Infrastruktur: Fahrradwege, verlässliche Busverbindungen, Ärzte, Kindergärten, Schulen und ein gutes Internet. Deswegen muss man nicht gleich frisches Geld fordern. Es muss aber gelingen, durch mehr Kreativität, mehr Entscheidungsspielräume in der Region Synergieeffekte zu nutzen, um nach vorne zu kommen. Das kann nicht alles zentralistisch verordnet werden. Ein langes Thema, ein sehr langes Thema … .

Landschaftsbild

Das Landschaftsbild wird sich ändern. Es ändert sich ja bereits kontinuierlich. Ist es schon 20 Jahre her, als wir und im Zusammenhang mit dem Siegeszug von Biogas mit Begriffen wie der Vermaisung auseinandersetzen mussten. Politische Entscheidungen haben Folgen für den Ländlichen Raum, aber auch politisches Laisser Faire hinterlässt Spuren in den Dörfern und der Landschaft. Leerstehende Gebäude könnten zügiger umgenutzt werden, da gibt es wohl auch Verzögerungen bei der Genehmigung, ich hörte etwas von Genehmigungsverfahren, die sich über mehrere Jahre hinweggezogen haben. So entstehen keine neuen Wohnungen, so entstehen Ruinen. Weniger Kühe werden wohl dafür sorgen, dass weniger Mais angebaut werden könnte. Aber auch der Anteil der Weiden wird abnehmen. Sicherlich ist das Leben eine stete Folge von Veränderungen, aber man sollte sich dessen bewusst sein.

Kritische Infrastruktur

Vor einigen Jahren noch wurden in Deutschland Woche über Woche ca. 100.000 Schlachtschweine geschlachtet. Derzeit werden wöchentlich noch etwa 710.000 Schweine ins Jenseits befördert. Und auch die Zahl der Schlachtungen von Schlachtbullen ist rückläufig. Laut der Destatis wurden z.B. in 2016 noch etwa 1,333 Millionen Bullen pro Jahr geschlachtet, in 2025 waren es noch um und bei 1.027 Millionen Schlachtungen. Sicherlich wird es Menschen geben, die diese Entwicklung begrüßen werden. Andere werden es bedauern. Nun, und ich werfe einfach mal die Frage auf, welchen Wert eine autarke Versorgung mit Nahrungsmitteln hat. Ich fühle mich wohler, wenn wir in der Lage sind, zumindest noch unsere Ernährungsgrundlage einigermaßen selbständig zu sichern. Sicherlich würde die Produktion von Fleisch im Krisenfall eingeschränkt werden, falls der Bezug von Importfuttermitteln beeinträchtigt werden würde. Aber man muss es ja im Vorwege nicht noch schlimmer machen. Oder – ganz ohne Wertung: „Hallo, liebe Politik, denkt bitte auch an die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln, wenn Ihr an der Struktur der Ländlichen Räume bzw. hier konkret der Landwirtschaft herumschraubt.

Uwe

(cattle)

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Dr. Uwe Scheper, der Mann hinter cattle.de

Hallo! Ich bin Uwe.

Ich betreibe cattle.de bereits seit 1999 und es ist damit das wahrscheinlich älteste Onlinemagazin speziell für Rinderhalter.

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