Neumünster am Abend – ein Tollhaus!!!

Moin!

(Im Verlauf dieses Beitrags findet Ihr bummelig 300 Bilder und 25 Videos)

Heute wird’s mal etwas länger, aber das hat seinen besonderen Grund, eigentlich sogar zwei besondere Gründe. Denn zum ersten Mal war ich mit einer eigenen Färse auf einer Schau, was für sich allein schon mal einer soziopsychologischen Aufarbeitung bedürfte :-), sondern auch im Hinblick darauf, dass ich hier oben in Schleswig-Holstein seit März 2023 die „Vertrauensperson Tierschutz in der Landwirtschaft“ bin. Das ist ein besonderes Ehrenamt, über das ich demnächst immer mal am Rande in der Rubrik „Grenzland“ eingehen möchte. Gut, in jedem Fall geht es dort um das Thema Tierschutz und natürlich ist dieses Thema auch für Tierschauen relevant, von daher passt das jetzt mal gerade.

Aber fangen wir mal dezent an. Ihr wisst ja, dass ich seit über 30 Jahren (oh Gott !!) immer wieder auf Schauen und Sales aktiv bin. Ich mache Photos, Videos, rede viel und husche eigentlich immer irgendwo im Ring rum. Von daher habe ich bei solchen Schauen das Privileg, dass Bilder ganz dicht am Tier machen kann und dabei durchaus immer das Risiko mitschwingt, von einer der wiederkäuenden Schönheiten im Ring umgerannt oder an eine Wand gedrückt zu werden. Na, was kann es Schöneres gebe 🙂 . Und man bekommt dort im Ring, aber auch schon vorher in den Stallungen und den Gängen mit, dass es auch bei den Menschen kribbelt. Das sind wirklich spannende Momente, menschliche Momente, Momente, die einfach prägend und unvergesslich sind.

Nuuuun war es in diesem Jahr aber so, dass ich nicht nur ganz dicht dran war, sondern wohl auch tatsächlich ganz dicht drin war. Wenn Du mit einem eigenen Tier an den Start gehst, dann ist das eine komplett andere Nummer. Das geht ja schon damit los, dass das eigene „Baby“ auf einmal überhaupt so ganz vage für so eine Schau in Frage kommen könnte. Bei mir war das so, dass mein Rinder-Herbergsvater – Hinnerk Templin – meinte, dass meine MooWhite vielleicht ja in Frage kommen könnte für „Neumünster am Abend“. Meine Kühe stehen ja bei der Familie Templin im Stall und leben ihre Leben dort mit 200 anderen Kühen in einem modernen und echt sehr gut gemachten Boxenlaufstall – viel Platz, viel gute Luft, Ruhe, überhaupt alles prima. Gut, ich fand das schon cool, dass Hinnerk auf diese Idee kam. MooWhite war schon als Kalb ein Hingucker, ich war immer ganz stolz, wenn Leute durch den Stall gingen und dann bei meiner Lütten stehen blieben und fragt, was das denn für ein schönes Tier sei. Höhö, da kribbelts im Bauch. Aber Hinnerk meinte immer, dass ihr noch etwas „die Tiefe“ fehlen würde, aber dass sich alles noch entwickeln könnte. Uooh, und das entwickelte sich tatsächlich noch. Und sie war hoch und breit und ein Megaseitenbild, naja, Ihr wisst, was ich meine.

Gut, Hinnerk fragte mich, ob er die Kuh mal bei der Rinderzucht vorschlagen sollte und ich glaube, ich habe „JA“ gesagt, bevor er seine Frage zu Ende gesprochen hatte, so ungefähr jedenfalls. Und dann ging es weiter. Rechtzeitig vor Einsendeschluss war MooWhite gemeldet, also waren wir schon mal einen Schritt weiter. Aber dann ging es ja erst richtig los. MooWhite wurde von einem RSH-Offiziellen begutachtet. Und Bingo, sie war angenommen und für die Schau gesetzt. Aber dann oho, dann ging es aber wirklich richtig los. Denn MooWhite musste ja nun an das Halfter gewöhnt werden und auch daran, im Zweifel halfterführig zu sein. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich nur einmal aktiv dabei war, Hinnerk war da dran und auch Johanna, die bei den Templins zum Melken kommt, hat gut mit meiner Lütten geübt. Johanna ist wesentlich lütter als MooWhite, sie ist ausgesprochen ruhig und kann echt gut mit Kühen umgehen. Echt toll, vielen Dank.

Na, grundsätzlich lief alles echt reibungslos, es ist so gut, wenn man versteht, dass so eine Schau nichts von einem Gegeneinander oder einem „Müssen“ zu tun hat, sondern mit einer Gemeinsamkeit und einem „Wollen“. Sehr geil, um es mal so zu beschreiben. Guuut,, aber nun ging es ja erst richtig los. Plötzlich wirst Du nachts wach und denkst an spontane Klauengeschwüre, ein Verspringen der Kuh, an Euterentzündungen oder an Kälberflechte. Und wenn es kein Alarm am Tier ist, so könnte der Wetterbericht einen Strich durch die Rechnung machen: Schneeverwehungen, Eisregen, Rentiere? Oh Gott, es gibt so viele Dinge, die einem den Spaß verderben können. Oder Blauzunge? Corona? 4-Tage-Woche? Das Leben ist spannend!!

Gut, die Tage vergingen und plötzlich war schon Mittwoch, der 28. Januar. „13 Uhr geht’s los“, hatte Hinnerk gesagt und ich war besser schon eine Stunde früher da, Glatteis, Maul- und Klauenseuche und so, man weiß ja nicht. Stimmt, und dann ging es wirklich richtig los. Kühe auf dem Hänger und ab nach Neumünster. Ich fuhr Hinnerk und Johanna hinterher und wunderte mich schon darüber, dass die mit kaum 70km/Stunde über die Autobahn schlurften. „Glatteis?“, schoss es mir durch den Kopf. „Nein“, beruhigte Hinnerk, „nur Motorschaden“, na, also halb so wild.

Also ohne weitere besondere Vorkommnisse nach Neumünster. Neumünster ist keine sonderlich ansprechende Stadt, um es mal so zu sagen. Ich glaube, dass die dortige Polizei mehr Geschwindigkeitsüberschreitungen bei Autos feststellt, die die Stadt verlassen als bei Autos, die in Richtung Neumünster City fahren. Die Holstenhallen liegen aber noch eher am Rand von Neumünster, zumindest ist um die Holstenhallen herum noch viel Platz zum Parken, „so, wie früher“, hörte ich einen Autofahrer im Segment „ü60 und noch voll dabei“ schwärmen. Ja, da ist was dran. Wenn mich jemand fragen würde, was an Neumünster besonders toll ist, so wäre das einer der Punkte, der mir spontan einfallen würde. Und das meine ich ernst. Menschen mit Viehhängern benötigen Platz zum Rangieren und zum Abstellen … Gott schütze die Holstenhallen.

Schwelg, schwelg … gut, vor dem Betreten des Hallenbereichs wurden die Kühe noch einmal durchgecheckt. Dazu war ein Zelt als Durchfahrt aufgestellt worden, dort hatten die Kreisveterinäre ein genaues Auge auf die Tiere. Und das ist auch gut so. Es ist wichtig, dass die Kühe fit zur Schau kommen. Zunächst mal ist so eine Schau schon teilweise stressig für die Tiere, außerdem sollen sich die Tiere auch nicht gegenseitig anstecken oder sonst etwas. Am Rande habe ich gehört, dass sich das Veterinäramt und die Rinderzucht Schleswig-Holstein da auf ein bestimmtes Agreement verständigt hatten. Es wäre jetzt zu üppig, das gesamte Procedere durchzusprechen, aber sowohl von Seiten des Veterinäramts als auch von Züchterseite gab es positive Meinungen. Und gut, wenn alle zufrieden sind, dann kann man ja auch passend arbeiten.

Mit einer der Veterinärinnen vom Amt habe ich noch etwas länger geschnackt. Frau Dr. Voß war mit ihrem Team aufmerksam, aber eigentlich auch immer mit der mentalen Friedenspfeife unterwegs. Also, nicht falsch verstehen, nicht so am Qualmen durch den Stall, sondern einfach so vom Konfliktmanagement her. Und auch von Bauersseite gab es kein Murren, zumindest habe ich kein Klagen gehört. Dann stand der Schau auch fast nichts im Wege.

Nun ging es ums Waschen. Eingangswäsche, nachwischen da, rumbürsten, dann tigerte ich noch mit meiner Lütten zum italienischen Kuhfriseur, der meiner Dame eine top Topline verpasste. La Paloma, die Lütte wurde immer schöner. Na, auf dem Rückweg vom Friseur zu unserer Box hatte ich meine … MEINE Kuh am Halfter und ich kam mir vor, als würde ich eine seltene chinesische Vase aus irgendeiner vergangenen Dynastie durch das Hallengelände führen. Echt, Kühe brauchen Entspannung und Vertrauen und ich weiß, dass der gesamte Hallenbereich gefüllt war von diesen Gefühlen, mal mehr, mal weniger. Nein, ich bin kein übrig gebliebenes Blumenkind, das sich von Emotion zu Emotion hangelt, aber man muss das auch mal sagen, wir sind ja keine brummigen Klötze :-).

So, ich schreibe schon wieder reichlich viel zu viel. Bis spät am Abend war ich noch in der Halle. Ich habe fotographiert, Burger beim Mc Donalds um die Ecke geholt und den üblichen Eimer ganz häufig hinter irgendwelche Kühe gehalten. Kühe kacken und pinkeln auf diesen Schauen, nicht einfach ins weiche Stroh, die bekommen den Eimer, und danach wird auch noch abgewischt … wie beim König.

Am nächsten Mittag gab es Pizza – in Neumünster gibt es gute Pizzen, da sammelt diese Stadt echt mal Punkte 🙂 – und dann ging alles mega fix. Plötzlich ging es in die Halle, ich mit Kameras, meine Kuh kam nach und wurde von Sarina durch den Ring geführt. Ooooh, Sarina kann das und ich war mega stolz. Für mich ging es bei der ganzen Veranstaltung nicht um das Siegen. Ich war einfach schon stolz, meine Lütte im Gedränge und dann im Schauring zu sehen. Sie wurde dann zwar etwas störrisch – MooWhite, nicht Sarina – aber Sarina hat das echt toll hin bekommen. Du siehst dann Deine Färse, Dein Tier, das Du schon vom Tag ihrer Geburt kennst. Uooh, dabei sein ist alles. Ich freute mich einfach darüber, dass ich der Welt – oder zumindest den 3.000 anwesenden Zuschauern – mein schönes Tier zeigen konnte. Voll der König.

Gut, meine Gute machte in ihrer Klasse den dritten Platz und das war richtig schön. Jooo, MooWhite bekam noch ihr Offizialfoto und dann ging es für sie zurück nach Hause. Für mich ging die Schau noch weiter und irgendwann nachts ging es nach dem Züchterabendessen ab nach Hause und dann fix ins Bett. „Freitach war ich alle“, um es mal so zu sagen.

Guuut, nun noch ein Punkt … das schreibe ich jetzt als Privatperson und nicht als Vertrauensperson für den Tierschutz in der Landwirtschaft … . Sicherlich würde eine Kuh nicht aus freien Stücken nach Neumünster laufen, um dort an einer Schau teilzunehmen. Und ja, so eine Schau ist in einem gewissen Rahmen auch mit Stress für das Tier verbunden. In den vergangenen 20 Jahren hat sich mittlerweile ein guter Weg etabliert, der den Tieren auf den meisten Schauen ein ordentliches Leben bietet. Die Boxen der Tiere sind kuscheliger als so manche Altenteilermatratze, die Kühe werden rund um die Uhr betüdelt, sie liegen viel und käuen top wider. Und die Tierärzte sind immer mittenmang, um auf das Wohlbefinden der Tiere zu achten.

Und sicherlich bekommt eine Kuh schon einen Schrecken, wenn sie als Siegerin in der Halle steht und ein Schwung Züchter und Jungzüchter auf Kuh und Halter zustürmt und gratuliert. Andererseits würde ich den Blick dieser Kühe am ehesten als ein „Nanu?“ und nicht als ein „Jetzt kommt der Wolf“ interpretieren. Ja, ich bin keine Kuh, aber das sind auch diejenigen nicht, die hier nachfragen. Ich glaube, es ist sowohl für die Züchter als auch die Veranstalter, Betreuer und Kontrolleure wichtig, dass man gute Wege findet. Und die gibt es :-).

Und noch ein allerletzter Punkt … diese Schauen haben einen besonderen Vorteil. Sie bieten der Jugend, aber auch den älteren Semestern die Möglichkeit, sich mit dem Tier auf eine ganz besondere Art und Weise zu beschäftigen. Man bekommt an diesen Tagen rund um die Schau ein ganz besonderes Gefühl für das sensible Wesen einer Kuh und wirklichen Respekt vor einem Mitgeschöpf, mit dem man im heimischen Stall einen Beitrag zur Ernährung unserer Bevölkerung leistet. So, „nu ist aber gut“!

Viel Spaß beim Blättern in den Bildern und beim Angucken der Videos (unterhalb der Bildergalerie gibt es noch einige weitere Videos).

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Uwe

(cattle)

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Dr. Uwe Scheper, der Mann hinter cattle.de

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Ich betreibe cattle.de bereits seit 1999 und es ist damit das wahrscheinlich älteste Onlinemagazin speziell für Rinderhalter.

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